Dschibuti, Afrika

36.


Samuel Fischer Gastprofessor

Abdourahman A. Waberi

Waberi wurde 1965 in Dschibuti geboren. 1985 zog er nach Frankreich, um in Caen und Dijon englische und französischsprachige Literatur zu studieren. Nach seinem Abschluss blieb er in Caen und veröffentlichte 1994 seinen ersten Erzählband. Nach zahlreichen Einladungen als „Writer in Residence“ in Europa und Gastprofessuren in Kalifornien, promovierte Waberi 2012 an der Université de Paris-Nanterre. Seither lebt er in den USA, wo er am Columbia College der George Washington University in Washington D.C. Französisch und kreatives Schreiben lehrt.
Waberi, der sich als „schreibenden Nomaden“ charakterisiert, konzentrierte sich in seinem Werk zunächst auf sein Heimatland Dschibuti. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen, die das Erbe der Kolonialzeit bis heute auf die Menschen, ihren Alltag und die Natur haben und den Versuchen, einen eigenen Weg zu finden. So können seine Erzählbände «Le Pays sans ombre» (1994) und «Cahier nomade» (1996) sowie sein Roman «Balbal» (1997) als Trilogie über Dschibuti gelesen werden, mit dem der Autor dieses kleine Land auf der intellektuellen und literarischen Weltkarte verewigt. Kurzgeschichten aus beiden Erzählbänden wurden unter dem Titel «Die Legende der Nomadensonne» (1998) auch in Deutsch veröffentlicht. Ebenfalls in deutscher Übersetzung erhältlich ist Waberis verzweifelter Report über den Völkermord in Ruanda, der 1999 erschien («Moissoins de cranes»/Dt: «Schädelernte»).

Mit seinem 2006 veröffentlichten Roman «Aux Etats-Unis d’Afrique» (Dt: «In den Vereinigten Staaten von Afrika», 2008) verlässt Waberi die Vorstellungswelten der Dörfer seines Heimatlandes und nimmt eine globale Perspektive ein. Der Roman baut die Gegenutopie vom reichen, aufstrebenden Afrika auf, das in seinem Wohlstand und seiner Ruhe letztlich nur von den Flüchtlingsströmen aus den verelendeten Regionen Europas und Amerikas bedroht wird. Mit diesem Perspektivwechsel entlarvt Waberi die Arroganz der westlichen Welt und deren Blick auf Afrika. Im 2009 erschienen Roman «Passage des Larmes» (Dt. «Tor der Tränen», 2011) nimmt Waberi erneut eine afrikanisch-europäische Perspektive ein. Er beschreibt die Rückkehr eines Mannes in sein Heimatland Dschibuti, um im Auftrag einer kanadischen Sicherheitsfirma ein Gutachten zu erstellen. Sein Zwillingsbruder, den er seit Verlassen Dschibutis 15 Jahre zuvor nicht mehr gesehen hat, sieht in ihm jedoch nichts weiter als einen Schergen des feindlichen Lagers, den es zu vernichten gilt.

Zuletzt veröffentlichte Waberi den Roman «La Divine Chanson» (2015), eine fiktive Biographie des afroamerikanischen Musikers und Dichters Gil Scott-Heron, und den Gedichtband «Mon nom est aube» (2016).

Waberis Seminar an der Freien Universität Berlin trägt den Titel „Afrofuturisme. Quêtes et constellations“ und beschäftigt sich sich mit frankophonen und anglophonen afrikanischen Literaturen. Im Mittelpunkt des Seminars steht die kritisch-künstlerische Bewegung des Afrofuturismus. Dabei sollen verschiedene Konzepte einer afrofuturistischen Ästhetik und Werke aus Literatur, Musik und Film diskutiert werden, unter anderem von Alain Mabanckou, Binyavanga Wainaina, Kodwo Eshun, Laura Beukes, Sun Ra und Wanuri Kahiu.

Gastprofessur 2016/17


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